Mehr als Folklore im Herbst des Hirtenjahres
Zum Ausklang des Internationalen Hirtenjahrs 2026 haben die Schäfer und Hirten noch einmal auf ihre Leistungen für die Agrarlandschaft aufmerksam gemacht. Zwar sind die etwa zehntausend Schaf- und Ziegenhalter in Deutschland im Vergleich zu mehr als 122.000 Rindhaltern eine eher kleine Gruppe von Tierhaltern. Gleichwohl leistet sie mit ihren ca. 2,7 Millionen Schafen einen wertvollen Beitrag für den Erhalt unserer Kulturlandschaften.
Schafe beweiden Flächen, die sich landwirtschaftlich sonst kaum nutzen lassen. Die Tiere stehen auf steilen Hängen, in Heidelandschaften und auf Deichen. Selbst magere Felder bieten den genügsamen Schafen und Ziegen immer noch ausreichend Futter. Damit sind die Tiere unverzichtbar für die Grünlandpflege. Ohne Schafe ist z.B. ein Schutz von Deichen kaum vorstellbar. Denn indem die Tiere das Gras kurzhalten und mit ihren Hufen die Grasnarbe flach treten, schützen sie die Deiche vor Erosion. Damit leisten Schafe einen wertvollen Beitrag zum Küstenschutz.
Nicht zuletzt sind Schafe und Ziegen auch Rohstoff- und Nahrungsmittellieferanten. Lamm- und Schaffleisch sind ebenso wie Schafs- und Ziegenkäse Bestandteile der heimischen Küche vieler Kulturen, zudem ist die leicht verdauliche Milch der Tiere eine Alternative zur Kuhmilch. Und Kleidung aus Schafswolle wärmt seit Jahrtausenden die Menschen und dient als Dämmstoff.
Die i.m.a-Flyer aus der 3-Minuten-Info Reihe vermitteln einen guten Einblick in die Geschichte der Schafe und Ziegen, deren Haltungsformen und Rassen. Weil viele der Rassen vom Aussterben bedroht sind, kommt der Arbeit der Schäfer und Hirten eine große Bedeutung bei. Das internationale Jahr der Hirtinnen und Hirten hat daher immer wieder darauf aufmerksam gemacht. In jedem Monat rückte und rückt ein Thema in den Fokus. Bis zum Ende des Jahres will man über die nachhaltige Tierproduktion, die Rolle der Hirtinnen und Hirtenjugend sowie über nachhaltige Technologien und Innovationen informieren.
Dass die Arbeit der Schaf- und Ziegenhalter mehr ist als landwirtschaftliche Folklore, wird schon daran deutlich, dass mit einem Mutterschaf im Durchschnitt 550 Euro im Jahr erwirtschaftet werden müssten, um die Kosten der Haltung zu decken, sagt der Arbeitskreis Hirtenzug und beklagt, dass dies allein über den Markt nicht erreicht werden könne. Zudem gehen jedes Jahr bis zu 4.500 Schafe und Ziegen durch Wölfe verloren, was die wirtschaftliche Situation der Schäfer und Ziegenhalter weiter belastet. Daher fordern sie u.a. eine bundeseinheitliche Erhöhung der Tierprämie für Mutterschafe und -ziegen, um die Tierhaltung, Zucht, Weidewirtschaft und Landschaftspflege zu unterstützen.
Vor diesem Hintergrund relativiert sich der Blick auf idyllisch grasende Schafherden, auf Hütehunde, die Herden beieinander halten und auf Männer und Frauen in langer, robuster Lodenkleidung, mit breitkrempigem Filzhut und langem Hakenstock. Schaf- und Ziegenhaltung mag in Teilen ihre Romantik bewahrt haben, sie ist aber auch eine herausfordernde Arbeit, mit der Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten.



